Jamaika: Ist der Wählerwille schwarz-gelb-grün?

In Berlin bemühen sich Politiker von CDU, CSU, FDP und Grünen die Basis für eine gemeinsame Regierung zu schaffen. Das sogenannte Jamaika-Bündnis wäre die erste Koalition aus vier Parteien. Experten rechnen mit langen Verhandlungen, allein die Sondierungsgespräche könnten bis Dezember andauern. Insbesondere für Grüne und FDP ist es entscheidend, die Verhandlungsergebnisse vor ihren Wählern gut präsentieren zu können: Der FDP ist noch schmerzlich bewusst, dass sie schnell aus dem Parlament gewählt werden kann. Und die Grünen haben schon vor Beginn der Verhandlungen angekündigt, den Weg nach Jamaika durch ihre Mitglieder bestätigen lassen. Wir zeigen, wo für Parteianhänger die kritischsten Punkte liegen.

 

Migration: Wird der Deckel weiter atmen?

Schwierige Verhandlungen können beim Thema Migration erwartet werden. Zwar zeigen sich die Unionsanhänger mit dem Kompromiss des “atmenden Deckels” zufrieden. Die Anhänger der möglichen Koalitionsparteien sehen die Obergrenze von 200.000 Menschen aber kritischer. Nur jeder dritte FDP-Anhänger begrüßt die Einigung der Unionsparteien. Bei den Grünen sind es sogar nur 18,6 Prozent. Beim Thema Familiennachzug liegen die Anhänger von Grünen und FDP wiederum stark auseinander. Während über zwei Drittel der liberalen Wähler einen Nachzug von Ehegatten und Kindern ablehnen (67,4 Prozent), befürworten die Grünen ihn mit 72,4 Prozent mehrheitlich.

Jamaika und die Zuwanderung: Die Streitpunkte Obergrenze und Familiennachzug

 

Steuern rauf oder runter?

In der Steuerpolitik wird es für die Grünen schwierig sein, die Vermögenssteuer durchzusetzen. Zwar sprechen sich die Grünen für eine neuerliche Einführung aus und dies wird auch durch rund 72 Prozent ihrer Wähler befürwortet. Bei den Parteiführungen der Union und der FDP findet dieses Thema allerdings kaum Anklang und wird auch von deren Wählerinnen und Wählern zu lediglich 44 Prozent (CDU/CSU) bzw. zu 35,4 Prozent (FDP) gutgeheißen.

Ran an die Reichen: Was sagen die Wähler zur Vermögenssteuer?

 

Wird Deutschland grüner?

An welchen Stellen das Jamaika-Bündnis besonders grün sein wird, bleibt spannend. Gerade ein Neuzulassungsverbot von Verbrennungsmotoren sehen 65,6 Prozent der Unionsanhänger und sieben von zehn FDP-Anhängern kritisch.

 

Mehr Konsens der Parteianhänger findet sich beim Thema Kohleausstieg, denn hier findet sich in allen Parteien eine Mehrheit. Bei den Grünen liegt die Befürwortung bei satten 93,4 Prozent. Unter den Unionswählern sind es immerhin 68 Prozent. Und auch bei den Anhängern der FDP ist es mit 58,6 Prozent noch mehr als jeder Zweite.

Grüne Energie: Wählerkonsens beim Kohleausstieg?

 

Regiert nun der elitäre Westen?

Trotz fehlender Optionen wünscht sich mit 46,8 Prozent nicht einmal jeder Zweite ein Jamaika-Bündnis. Wir haben uns deshalb noch einmal angeschaut, wie sich die Zustimmung für die schwarz-grün-gelbe Koalition zusammensetzt.

Fragt man die Wählerinnen und Wähler, ob sie glauben, dass die Jamaika-Koalition Deutschland zum Besseren verändern werde, sieht man eine Zustimmung vor allem in urbanen, kaufkraftstarken und in westlichen Regionen. In Ostdeutschland fällt die Erwartungshaltung flächendeckend geringer aus.

Divergierende Erwartungshaltungen: wie wird Jamaika Deutschland verändern?

 

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Parteien ich in den kommenden Wochen positionieren. Ob sie es schaffen, den Willen ihrer Wähler und die Jamaika-Koalition unter einen Hut zu bringen, messen wir für sie.

 

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    JANINA MÜTZE   Posted in: Allgemein  

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